Die SPD Mühltal hatte am 17. Juli zu einer Gedenkstunde anlässlich des vor 100 Jahren entfesselten Ersten Weltkriegs eingeladen. Referent war Gernot Scior. Für die musikalische Begleitung sorgte der Bläserkreis der evangelischen Kirche Nieder-Ramstadt unter Leitung von Helmut Fladda.
Zu Beginn eröffnete Gernot Scior im Foyer des Bürgerzentrums Nieder-Ramstadt eine Ausstellung zum Ersten Weltkrieg, dem ersten industriell geführten Krieg der Menschheitsgeschichte und erläuterte sein umfangreiches Bildmaterial.
Zweiter Vorsitzender Matti Merker begrüßte die Gäste, darunter Mühltals Bürgermeisterin Frau Dr. Mannes.
2014 sei ein Jahr vieler Gedenktage, so Scior. aber kein Ereignis der vergangenen 100 Jahre habe Europa so durcheinander gewirbelt wie der Erste Weltkrieg, die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Ein wahrhaft dramatischer Epochenwechsel, dessen Ursachen vielfältig gewesen seien, jedoch mit den zwischen den europäischen Mächten bestehenden Spannungen allein nicht erklärt werden könnten. Keine davon hätte zwangsläufig in den großen Krieg führen müssen. Vielmehr hätten die fehlende Bereitschaft unter den Staatenlenkern zum Spannungsabbau und die leichtfertige Auffassung von der Machbarkeit eines begrenzten Krieges in den Abgrund geführt. Außerdem habe die europäische Diplomatie nach dem Attentat von Sarajevo auf fatale Weise versagt.
Bis wenige Tage vor Kriegsausbruch am 2. August habe niemand ernsthaft an die Möglichkeit eines nahen Krieges geglaubt. Das öffentliche Interesse habe mehr alltäglichen Ereignissen als dem Geschehen auf dem fernen Balkan gegolten. Als die Ereignisse sich Ende Juli überschlugen und der Krieg unmittelbar bevorstand, seien Antikriegskundgebungen von SPD und Gewerkschaften vergeblich gewesen. Das Verhängnis nahm seinen Lauf.
Mit den einseitig von den Sieger diktierten Friedensverträgen sei eine Chance zu einem dauerhaften Interessenausgleich unter den Staaten Europas vertan und zugleich neue Konfliktfelder geschaffen worden. In Deutschland hätten die Auseinandersetzungen um den Versailler Vertrag aufs äußerste den Aufbau einer demokratischen Gesellschaft behindert.
Den Preis für dieses Versagens hätten Europa und die Welt in einem weiteren, noch grausameren Krieg bezahlen müssen. Erst durch diese Erfahrung hätte dieser geschundene Kontinent die Erkenntnis gewonnen, dass ein dauerhafter Frieden nur durch die Einigung der Völker und die Abgabe nationaler Zuständigkeiten an transnationale Einrichtungen erreichbar sei. Die Europäische Union sei, so Scior, ein großartiges Friedensprojekt, das es auszubauen gelte. Europapolitik verlange besonders in kritischen Zeiten zwar ein gemeinsames und entschlossenes Handeln, aber keinerlei Militarisierung der Außenpolitik. Je besser die Politik diesen Grundsatz befolge, umso mehr erhalte die Diplomatie die Chance, Krisen gewaltfrei zu lösen und den Frieden zu bewahren."
Mit viel Applaus wurden der Referent und der Bläserkreis bedacht. Den Vortrag des Referenten Gernot Scior können sie ab sofort hier downloaden.