Redebeitrag zur Drucksache 20/2012 (Baugebiete in Traisa) von Dieter Heymann:
Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
meine Damen und Herren!
Ich bin wohl zu kurz Mitglied dieses „Hohen Hauses“, um den tiefen Sinn aufzuspüren, der hinter der interfraktionellen Zusammenarbeit und der Dynamik des Prozesses steht und zur Vorlage der DS 20/2012 geführt hat. Möglicherweise gibt es ja hier Vorgaben vorangehender Sitzungsperioden, Erwartungen von Traisaer Bürgern oder durchaus ehrenwerte, die Zukunft Mühltals im Blick bewahrende Motivationen, die ich nicht kenne. Ich stehe einer interfraktionellen Zusammenarbeit durchaus positiv gegenüber und kann mir auch Bereiche vorstellen, wo die zu fruchtbaren Ergebnissen für die Entwicklung unserer Kommune führen können, kann aber gerade dies in der Vorlage nicht erkennen.
Die Entwicklung von Baukonzepten ist ein, als ehemaliger Lehrer benutze ich mal das Wort, fächerübergreifendes Anliegen. Verkehrssituation, energetisch-technische Infrastruktur, Soziales, Umwelt und Sport, um einige Stichworte zu nennen, müssen in einem solchen Konzept zusammen geführt werden. Es genügt bei Weitem nicht, nur Flächen auszuweisen.
Zum Stichwort Verkehr frage ich mich, warum der mit Aufwand und Kosten erstellte Verkehrsentwicklungsplan gleich bei erster Gelegenheit bis an den Rand der in ihm aufgezeigten Spielräume, meiner Meinung nach sogar darüber hinaus, ausgeschöpft werden soll! Wie will man den Bürgerinnen und Bürgern von Traisa überzeugend erklären, dass eine weitere Verkehrsbelastung in Ludwigstraße und Weingartenstraße notwendig ist? Wo bleibt hier die ökologische Handschrift, die noch vor einigen Jahren als es um die Ausweitung des Golfplatzes ging, so wichtig war?
Wo bleibt die ökologische Handschrift in der sparsamen Verwaltung vorhandener Bodenressourcen? Warum muss ein schon so verdichteter Ortsteil mit weiteren Baugebieten bis an die Grenze seiner Kapazitäten entwickelt werden? Gewiss, es lastet hoher Siedlungsdruck auf Traisa und man versichert uns, dass das die endgültigen Ausbaupläne sein sollen. Es gehört aber nicht viel Fantasie dazu, dass, wenn die derzeitig günstige Baufinanzierung noch etwas anhält, in nicht allzu ferner Zukunft Fragen auftauchen, was zu tun ist, wenn die genannten Flächen schon genutzt sind! Also, warum hier und heute schon die Kapazitäten weitgehend ausschöpfen und sich notwendigerer Entwicklungsspielräume ohne Zwang berauben?
Warum wird nicht die kreative Kraft dazu verwendet die schon stark verdichteten Ortsteile vor weiterer Verdichtung zu bewahren, indem man Pläne entwickelt, um die schon heute erkennbaren Disparitäten zwischen der Kernstadt Mühltals und den anderen dörflichen Ortsteilen einzuebnen? Auch gerade wenn man weiß, dass in Bälde für Nieder-Ramstadt Entscheidungen über Zubauten auf dem Diakoniegelände zu treffen sind. Ein Dorferneuerungsprogramm, das erkennbar aus Sparzwängen auf Minimierung öffentlicher, kommunaler Projekte zuläuft, den Bürgerinnen und Bürgern allerdings Möglichkeiten von Subventionen eröffnet, wie in Frankenhausen und Waschenbach, ist sicher gut, aber eben für den genannten Zweck nicht ausreichend. In Nieder-Beerbach wäre es gerade auch, weil dort die Chancen des Dorferneuerungsprogramms nicht gegeben sind, notwendig die Infrastruktur zu verbessern und über die Realisierung sinnvoller Zubauten nachzudenken und so Schule und Kindergarten in ihrem Bestand für die Zukunft zu sichern! Erfreulicherweise wird im Ortsbeirat NB über diese Dinge nachgedacht und das wäre auch sicher ein Betätigungsfeld, in das sich über Nieder-Beerbach hinaus die interfraktionelle Kompetenz und Kreativität einmischen könnte.
Alle Fraktionen wollen sparen! Mit welchen Mitteln soll angesichts der praktizierten Rechtssprechung, nach der mir keine Sicherheit gegeben scheint, auf Finanzmittel für die notwendigen infrastrukturellen Maßnahmen zu rechnen, der doch wahrscheinliche Investitionsbedarf zum Beispiel für Ausbau von Schule, Betreuungsangeboten und Kindergarten für Traisa bewältigt werden? Das gegenwärtig in den letzten Zügen seines Ausbaus stehende Baugebiet an der Alten Dieburger Straße hat die Kommune doch gerade aus diesen Gründen einen sechsstelligen Betrag gekostet, statt einen Zugewinn zu bringen?
Bei aller Sympathie für Modelle gemeinsamen Wohnens frage ich mich, ob nicht das Etikett „Mehrgenerationenwohnhaus“ zu euphemistisch auf die geplante Bebauung im Bereich der Western Horse Lodge gebraucht wird. Ich verweise Sie hier auf zahlreiche Einträge im Internet, die sie mit der vorgelegten Planung vergleichen können. Sinnvolles Wohnen für mehrere Generationen entsteht nämlich nicht, wenn sich mehrere Bauherren zusammentun, sich dabei einfach aufgrund der Heterogenität der Gruppe auch eine altersmäßig breitere Aufstellung der Bewohnerinnen und Bewohner ergibt, sondern es ist ein hochkomplexes Geflecht, das auch nur funktioniert, wenn eine bestimmte Breite der Bewohnerinnen und Bewohner erreicht wird. Und derart gutgläubig, dafür ein solches Filetstück Traisas zu verplanen, erscheint mir nicht gerechtfertigt. Wie hat man sich vor Jahren noch breit und nicht immer sachlich gewehrt gegen Verkehrsentwicklungen, Bodenverbrauch und exklusive Nutzung durch den Golfclub, wenn nun solche Überlegungen nicht angemessen beachtet werden sollen? Besonders die notwendige Änderung des FNP in diesem Bereich lässt mich weitere Begehrlichkeiten befürchten.
Aus diesen Gründen sehe ich mich im Einklang mit meiner Fraktion nicht in der Lage, der DS 20/2012 in der vorliegenden Form meine Zustimmung zu geben und hoffe aufgrund der Argumente auf interfraktionelle Zustimmung!
Dieter Heymann